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Positionspapier zur Schulpastoral
als Beitrag zur Schulkultur.

 

1. Kirche am Lebensort Schule:

 

Das Wirken der Kirche ist mit dem Leben und Wirken der Menschen aufs engste verbunden
(vgl. Gaudium et Spes).

Der Lebensbereich der schulischen Bildung und Erziehung ist der Kirche seit je her ein wichtiges Anliegen gewesen, sei es in der Einrichtung eigener Bildungsstätten oder im Mitwirken an einer wert- und christlich orientierten Persönlichkeitsbildung staatlicher Institutionen.

Der konfessionelle Religionsunterricht kann und wird auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag zum Gelingen von Schulpastoral leisten.


2. Was ist Schulpastoral?

 

2.1 Geschichte:

Durch die Konzilsdeklaration „Gravissimum educationis“ und den Beschluss der Würzburger Synode (1972-75) „Schwerpunkte kirchlicher Verantwortung im Bildungsbereich“ ist das Verhältnis von Kirche und Schule neu reflektiert worden.

In der Kärntner Diözesansynode (1971-72) wurde bereits festgehalten, dass die pastorale Sorge um Schüler 1auch außerhalb des Unterrichts verstärkt wahrgenommen werden muss und durch die Kirche zu leisten ist.

So hat sich Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – ausgehend von deutschen Diözesen – der Begriff der „Schulpastoral“ entwickelt.

In Österreich hat ein von den Salesianern Don Boscos veranstaltetes Symposium (1986) unter dem Thema „Schule lebensfreundlich gestalten“ die Schule als pastoralen Ort besonders in den Blick genommen und damit die innerkirchliche Diskussion vorangetrieben. Ebenso haben sich auch andere kirchliche Gremien mit dieser Themenstellung beschäftigt.

Die deutschen Bischöfe haben sich in ihrer Erklärung (1996) „Schulpastoral – der Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule“ mit der Schule als pastoralen Ort auseinandergesetzt und damit einen wesentlichen Impuls für die Weiterentwicklung von Schulpastoral gesetzt.

2.2 Inhaltliche Beschreibung:

Schulpastoral ist Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule. Sie „ermöglicht in vielen unterschiedlichen Maßnahmen, dass die froh und heil machende Wirkung des christlichen Glaubens im Lern- und Lebensraum Schule erfahrbar werden kann“. Das Ziel ist die Förderung einer humanen und lebensfreundlichen Schulkultur.

Schulpastoral lebt - vom Dienst am Menschen (Diakonia),

- vom Glauben erfahren und Glauben bezeugen (Martyria),

- von der Erfahrung und der Stiftung von Gemeinschaft (Koinonia) und

- von der Feier des Glaubens (Leiturgia).

„Eltern, Schüler, Lehrer und weitere Mitarbeiter der Schule übernehmen aus ihrer gelebten christlichen Überzeugung heraus Verantwortung füreinander und für den Lern- und Lebensort Schule. Als Christen wollen sie damit einen Beitrag leisten zur Mitgestaltung eines humanen Schullebens, das auch immer eine ausgeprägte schulische Lern- und Leistungskultur mit einschließt." 2

Alle im Schulbereich tätigen oder von diesem betroffenen Personen sind daher S u b j e k t e der Schulpastoral.

 

1 Die männliche bzw. weibliche Schreibweise gilt auch für das jeweilig andere Geschlecht

2 nach: Die deutschen Bischöfe, Kommission für Erziehung und Schule, Schulpastoral - der Dienst der Kirche an der Schule im Handlungsfeld Schule, 1996, S. 13


Schul“pastoral ist die kreative Konfrontation von Evangelium und Existenz in Wort und Tat“ 2.

Träger der Schulpastoral sind die röm.-kath. Kirche und die evangelischen Kirchen A.B. und H.B.

 

3. Schulpädagogische Begründung der Schulpastoral:

 

Der Schulpastoral liegt eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Person zugrunde. Gemäß der Aufgabe der österreichischen Schule will sie „an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen“(SCHOG §2) mitwirken.

Entsprechend den österreichischen Lehrplänen will Schulpastoral die jungen Menschen ... bei der Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten ... fördern und in der Herausforderung, in ihrem Leben einen Sinn zu finden, stützen.

Ebenso kann sie „Orientierungen zur Lebensgestaltung und Hilfen zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen“ anbieten und „Schülerinnen und Schüler zu einem eigenständigen und sozial verantwortlichen Leben ermutigen.“ (SCHOG §2)

Außerdem sind s ämtliche Erlässe zum Bereich Schulkultur für die Schulpastoral relevant 3.

Schulpastoral ist damit im Rahmen der Schulentwicklung als besonderer Beitrag für eine humane Schulkultur anzusehen.

 

4. Prinzipien und Arbeitsweisen von Schulpastoral:

 

Schulpastoral ist

4.1 . - schulgemäß:

Schulpastoral muss sich immer den schulrechtlichen und schulorganisatorischen Vorgaben anpassen, ebenso berücksichtigt sie die Gesetzmäßigkeiten und Gewohnheitsregelungen der jeweiligen Schule.

4.2. - partnerschaftlich:

Alle am Lern- und Lebensort Schule Tätigen können und sollen nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten gleichberechtigt an einer humanen Schulkultur mitwirken.

4.3. - personbezogen:

Schulpastoral lebt von Personen, die sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet fühlen und sich im Handlungsfeld der Schule engagieren. Ihre Angebote richten sich sowohl an Einzelne als auch an Gruppen.

4.4. - ökumenisch und gastfreundschaftlich:

Schulpastorale Angebote stehen grundsätzlich offen für alle, unabhängig von deren religiöser oder konfessioneller Zugehörigkeit.

4.5. - freiwillig:

Die Aktivitäten im Rahmen von Schulpastoral sind grundsätzlich als Einladung zu verstehen. Von daher ist die Teilnahme – soweit es nicht andere schulrechtliche Bestimmungen oder Verordnungen gibt – freiwillig.

4.6. - kooperativ:

Die Kooperation mit Trägern und Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Schule ist wesentliche Voraussetzung für das Gelingen schulpastoraler Maßnahmen.

 

2 Univ. Prof. Dr. Rainer Bucher, Pastoral in der Schule - Einige grundsätzliche Überlegungen zu
einem unterschätzten Handlungsort; Referat beim Akademielehrgang

3 Diese Erlässe sind auch zu finden im Internet:http://www.bmbwk.gv.at/schulen/recht

 

5. Ziele der Schulpastoral:

  •  
  • Ernstnehmen von spirituellen (religiösen) Bereichen
    (wahrnehmen, ausdrücken, Antworten finden.).
  • Gemeinsame und gemeinschaftliche Gestaltung der Schule als Lebensraum.
  • Förderung der Kommunikation und Kooperation aller im Handlungsfeld Schule tätigen Personen.
  • Gestaltung des Schullebens in Orientierung am christlichen Menschenbild und der Frohen Botschaft des Evangeliums.
  • Persönliches und gemeinsames Engagement für eine humane und lebensfreundliche Schule.
  • Förderung und Einübung von Gesprächs- und Umgangsformen, die von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung getragen sind.
  • Bemühung um Toleranz und Wertschätzung gegenüber anderen Kulturen, Weltanschauungen und Lebensformen.
  • Förderung ganzheitlicher, sinn- und wertorientierter Persönlichkeitsbildung in fächerübergreifender Kooperation.
  • Entwicklung und Mitgestaltung einer humanen Arbeits- und Feierkultur.
  • Förderung der Sozial- und Eigenkompetenz der im Schulbereich tätigen Personen.
  • Schaffung und Gestaltung von entsprechenden örtlichen und zeitlichen Freiräumen für Begegnung und Besinnung.

 

6. Handlungsfelder und Maßnahmen der Schulpastoral:

 

  • Feste und Feiern im Schulalltag (z.B. Morgengebet, Kultur des Beginnens, Gottesdienst, Frühschicht, Schülerbeichte, Klassen- und Schulfest)
  • Ergänzende Angebote (z.B. Schulcafe, Singgruppe, gemeinsames Mittagessen, Freizeitgestaltung, ökumenische Bibelkreise, Gesprächsrunden)
  • Projekte (z.B. Erlebnispädagogik, Bibeltage, „Gele-Gele“ der Katholischen Jugend, Projekte in Zusammenarbeit mit Pfarren und Jugendeinrichtungen, soziale Einsätze, „Compassion“, „Tat.Worte“, Friedensfahnen an Kärntner Pflichtschulen)
  • Wallfahrten
  • Orientierungstage
  • Berufsorientierung (z.B. Schulentlasstage, Wochenendseminare)
  • Klostertage, Besinnungswochenenden
  • Mitgestaltung des Lebensraumes Schule (z.B. der Klasse, religiöse Symbole, Einrichtung eines Meditationsraumes)
  • Angebote für und mit Eltern
  • Angebote für Lehrer, mit Lehrern

 

7. Schulpastoral in Kärnten:

 

Schon seit Jahren unterstützen und fördern kirchliche Einrichtungen vielfältige Aktivitäten, die als Schulpastoral angesprochen werden können.

Die jahrelangen unterschiedlichen Bemühungen und Innovationen an öffentlichen Schulen und an konfessionellen Privatschulen insbesondere durch Religionslehrerinnen und Religionslehrer haben mitgeholfen eine humane Schulkultur zu fördern und Schule als pastoralen Ort aufzuwerten.

Nicht zuletzt aufgrund der jahrelangen positiven Erfahrungen und Rückmeldungen zu den Orientierungstagen wurden diesbezügliche Themen seit den 1990er Jahren nach dem Vorbild deutscher Diözesen vermehrt in kirchliche Fortbildungsprogramme aufgenommen.

 

Durch die Organisation und Durchführung des Akademielehrganges Schulpastoral und Schulkultur „Gastliches Haus auf dem Weg – Schule gemeinsam gestalten“ der Religionspädagogischen Institute Klagenfurt und Graz in den Jahren 2003-2005 erhält dieser Bereich einen offiziellen Charakter.

Parallel dazu wurde vom Religionspädagogischen Institut Klagenfurt eine Arbeitsgemeinschaft „Schulpastoral und Schulkultur“ eingerichtet.

In Zukunft wird es zielführend sein, wenn kirchliche Einrichtungen gemeinsam mit dem Landesschulrat und dem Pädagogischen Institut des Bundes Prozesse der Schulpastoral begleiten und fördern.

 

verantwortlich für dieses „Positionspapier zur Schulpastoral als Beitrag zur Schulkultur“ ist die

Projektgruppe Schulpastoral im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Schulpastoral – Schulkultur des Religionspädagogischen Institutes Klagenfurt.

 

Dieses Positionspapier wurde am 10.5.2005 beschlossen.

Anwesend waren in alphabetischer Reihenfolge:

Dr. Peter Allmaier,
Mag. Roland Arich,
Mag. a Iris Binder,
FI Franz Gigacher,
Dir. Kurt Haber,
FI Andrea Kerschbaumer,
Mag. Alois Kügerl,
P. Rudolf Osanger SDB,
Dr. Ludwig Trojan